Politik

Bundeswehr darf nicht über Aserbaidschan fliegen

Bei den Truppentransporten nach Afghanistan gibt es nach SPIEGEL-Informationen neue Probleme: Weil Überfluggenehmigungen fehlen, muss die Bundeswehr ihre Soldaten derzeit mit US-Maschinen ein- und ausfliegen.
Die Bundeswehr kann ihre Soldaten derzeit nicht mit eigenen Truppentransportern nach Afghanistan bringen oder dort abholen. Nach SPIEGEL-Informationen muss die Truppe deswegen vermutlich bis Ende April auf amerikanische Flugzeuge vom Typ C17 zurückgreifen. Alternativ wird auch geplant, einen Teil der Soldaten auf Linienflüge zu buchen.
Hintergrund für die neuen Probleme bei der Ausbildungsmission am Hindukusch ist die Weigerung Aserbaidschans, der Nato die nötigen Überfluggenehmigungen für Truppentransporte aus Europa zu erteilen. Normalerweise fliegt die Luftwaffe wöchentlich über Zentralasien nach Masar-e-Scharif in Nordafghanistan. Im dortigen Camp Marmal sind die meisten deutschen Soldaten stationiert.
Wegen der Weigerung Aserbaidschans musste Ende März bereits ein Flug nach Masar-e-Scharif abgesagt werden. In einem Lagebericht der Bundeswehr heißt es nun, alle Versorgungsflüge mit deutschen A310 müssten wegen der Querelen mit Aserbaidschan bis Ende April „ausgesetzt“ werden. Da derzeit das Kontingent der Bundeswehr ausgetauscht wird, braucht die Truppe dringend Alternativen.
Mit den Überfluggenehmigungen hat die Nato auch in der Vergangenheit immer wieder Probleme gehabt. Alle Militärmaschinen müssen von den Staaten, die sie überfliegen, grünes Licht einholen. Was normalerweise eine Formalie ist, wird ab und an auch für politische Muskelspiele genutzt. So verweigerte Iran Bundeskanzlerin Angela Merkel im Jahr 2011 den Überflug in Richtung Indien.
Das zuständige Einsatzführungskommando der Bundeswehr wollte die Probleme mit Aserbaidschan nicht im Detail kommentieren und bestätigte nur die wegen des Flugs Ende März. Da man immer den Einsatz von US-Jets als Not-Alternative einplane, sei die An- und Abreise der deutschen Soldaten sichergestellt, teilte ein Sprecher auf SPIEGEL-Anfrage mit.
Flüge zum Hindukusch seit langem ein Ärgernis
Die US-Armee fliegt mit ihren C17-Truppentransportern eine andere Route nach Europa, deswegen sind die Amerikaner nicht von den Genehmigungen aus Aserbaidschan betroffen. Gemeinsam mit der Nato überlegt die Bundeswehr derzeit, ob sie ihre Routen wegen der Querelen grundsätzlich ändert. Auch dafür müssten allerdings erst neue Genehmigungen eingeholt werden.
Unter den Soldaten gelten die Flüge an und vom Hindukusch seit langem als Ärgernis. So verspäten sich die Bundeswehr-Flüge oft über mehrere Tage. Im Jahr 2018 waren mehr als die Hälfte aller Flüge mehr als 24 Stunden zu spät. Damals gestand das Verteidigungsministerium ein, dass „die verfügbaren militärischen Lufttransportkapazitäten derzeit nicht ausreichen“.
Seit einigen Monaten hatte sich die Lage verbessert, da auch der Transportflieger vom Typ A400M für die Transfers nach Afghanistan eingesetzt werden kann. Derzeit sind in Afghanistan um die 1000 deutsche Soldaten im Rahmen der Nato-Mission „Resolute Support“ eingesetzt, die meisten beraten und trainieren und beraten die afghanische Armee vom Camp Marmal im nordafghanischen Masar-e-Scharif aus.

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