Politik

Elvin Cavadov, ein Aktivist der Jugendbewegung NİDA: “Ich wurde 7 Tage lang geschlagen und gefoltert.”

Zurzeit in Deutschland lebender NIDA-Aktivist Elvin Cavadov ist einer des Opfers von Ilham Aliyev-Regierung.
In einem Gespräch beim Spiegel Aserbaidschan sagte E. Cavadov, dass er nach der Serie von Kundgebungen im Jahr 2016 polizeilichen Gewalt ausgesetzt sei:

“Seit 2015 beteiligte ich mich aktiv an den Kundgebungen von NIDA Jugendbewegung und anderen Parteien und Organisationen. Denn ich habe bereits verstanden, dass man über die von den aserbaidschanischen Behörden verfolgte Politik nicht schweigen darf. Die Unrechtsmäßigkeit, strenge Politik gegen das aserbaidschanische Volk und Hilflosigkeit der Menschen führten mich, wie anderen Jugendlichen dazu, an den Kundgebungen teilzunehmen und weckte mein Interesse an politischen Organisationen. Es wurde mir klar, dass wir, als aserbaidschanische Jugendliche eine große Verantwortung haben. Aber ich hatte keine Ahnung, was mir passieren werde.“
Elvin Cavadov sagt, dass seit 2016 eine neue Verhaftungswelle gegen NIDA- AktivistInnen eingeleitet worden sei:
“Ilham Aliyev, der seit 2003 an der Macht ist, verzeiht die Kritik nicht. Hunderte politisch aktive junge Menschen, Politikern und Journalisten wurden daher während seiner Amtszeit zu Gefängnis verurteilt. Vor meiner Verhaftung war ich aktiv an der Organisation und Durchführung aller von Oppositionsparteien organisierten Kundgebungen beteiligt. Ich nahm an Kundgebungen zusammen mit anderen Mitgliedern der NIDA Jugendbewegung teil. Zwei Abwertungen, die Anfang 2015 stattfanden, lähmten die Wirtschaft des Landes. In allen Bereichen gab es eine Krise und die soziale Situation der Menschen verschlechterte sich von Tag zu Tag. Darüber hinaus wurde bekannt gegeben, dass Ilham Aliyev seine Amtszeit im September 2016 von 5 auf 7 Jahre verlängern und ein Referendum abhalten wird, damit sein Sohn Heydar Aliyev frühzeitig an die Macht kommen kann. Daher beschloss das Oppositionslager, neue Kundgebungen durchzuführen. Unsere erste Kundgebung fand im Februar 2016 in Baku statt. Im Gegensatz zu früheren Kundgebungen hielten mehrere Mitglieder der NIDA Jugendbewegung darunter auch ich scharfe Reden. Am Ende versuchte die Polizei die Kundgebung durch offenes Eingreifen zu zerstreuen. Die Teilnehmer konnten durch Druck dieses Eingreifen verhindern. Als ich ungefähr drei Tage nach dem Vorfall nach Hause kam, fragten mich drei Männer in Zivilkleidung, die mir nicht vertraut waren: „Sind Sie Cavadov Elvin?“ Als ich bejahte, drehten sie meine Hände und legten mich zwangsweise ins Auto. Zuerst brachten sie mich in ein Ort, wo sie mir ohne Grund drohten und sagten, dass ich wegen Drogendelikten verhaftet werde. Dann wurde ich zur Polizeistation des Bezirks Nasimi 26 gebracht. Sie haben mich 1 Woche hier festgehalten. Während dieser Zeit wurde ich jeden Tag geschlagen und gefoltert. Nach einer Woche wurde ich freigelassen, nachdem ich vom Leiter der Polizeistation gewarnt worden war. Sie warnten, dass wenn ich noch einmal an den Kundgebungen teilnehme, werde ich für lange Zeit festgenommen.
Nach der Freilassung habe ich über die Verhaftung anderer 4 Mitglieder der NIDA Jugendbewegung erfahren. Im Allgemeinen wurde unsere Tätigkeit ernsthaft überwacht, da andere Mitglieder unserer Organisation (Rashadat Akhundov, Ilkin Rustamzadeh, Rashad Hasanov und andere) sich im Gefängnis befanden. Einige Monate nach meiner kurzfristigen Verhaftung wurden beispielsweise andere Mitglieder unserer Organisation Bayram Mammadov, Qiyas Ibrahimov und Elgiz Gahraman festgenommen. Jedes Jahr am 10. Mai findet in Aserbaidschan das „Blumenfest“ zu Ehren von Heydar Aliyevs Geburtstag statt. Aus Protest gegen Blumenfest wurden Mitglieder unserer Organisation, Bayram Mammadov und Qiyas Ibrahimov, am 10. Mai 2016 wegen des Graffitis „Herzlichen Glückwunsch zum Sklaventag“ am Denkmal von Heydar Aliyev zu 10 Jahren Haft verurteilt. Nach diesen Verhaftungen entsprach ein Aufenthalt in Aserbaidschan für NIDA-Mitglieder einer Inhaftierung. Wenn ich das Land später verlassen hätte, wäre ich auch verhaftet worden. In den letzten Monaten wurde ich offen beobachtet. Das Graffiti „Herzlichen Glückwunsch zum Sklaventag“ auf die Heydar Aliyev-Statue irritierte die Behörden ernsthaft. Sie wollten andere lehren, indem sie uns mit der strengsten Strafe bestrafen.
Nach diesen Vorfällen nahm ich im September 2016 an zwei von Nationalem Rat Demokratischer Kräfte gegen das Referendum organisierten Kundgebungen teil. Nach Beendigung der zweiten Kundgebung ging ich zu meinem Freund nach Hause. Weil ich genau wusste, dass die Polizei an diesem Abend zu mir nach Hause kommen wird. Ich hatte Recht. Am Morgen des 22. September kamen mehrere Polizisten zu uns nach Hause und fragten wo ich mich befinde. Die Polizisten fanden heraus, dass mein Vater Staatsangestellter war und drohten ihm seine Entlassung. Am Ende erklärte mein Vater schriftlich, dass er mich als seinen Sohn ablehnt und von zu Hause ausschließt. Die Polizisten lassen ihn danach in Ruhe. Ich hatte keine andere Wahl, als das Land zu verlassen. Ich habe die notwendigen Dokumente vorbereitet und am…. Aserbaidschan verlassen. “

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